Auskehren der Restforderung an Gläubiger – Erledigung der Pfändung

Das Vorgehen von Kreditinstituten bei Aufhebung beziehungsweise Erledigung einer Pfändung ist zum Teil sehr unterschiedlich. Es gibt jede Menge Detailfragen zu klären. Von Herrn Heinemann aus Thüringen erreichte uns folgende Frage, die wir auf diesem Weg an alle Leser weiter geben möchten:

  • Wird die Pfändung bereits mit der Überweisung des gepfändeten Betrages für erledigt erklärt?
  • Wird der Gläubiger dazu jedesmal angeschrieben?
  • Was passiert, wenn der Gläubiger dem widerspricht?
  • Was ist, wenn die Höhe der gepfändeten Forderung nicht oder nur so ungefähr bekannt ist, wenn der Zinssatz fehlt, wenn der Schuldner selbst schon Teilbeträge überwiesen hat, wenn die Pfändung bereits Jahre alt ist?
  • Gibt es Drittschuldner, die eine Pfändung generell nur gegen eine schriftliche Aufhebung des Gläubigers erledigen?
  • Was passiert, wenn sich der Gläubiger dagegen sperrt?
  • Gibt es bereits Gerichtsurteile zu diesem Thema?

Wir freuen uns auf Ihre Antworten / Erfahrungen.

3 Comments

  1. Karsten Luettge

    Zur Erledigung: Nach meinem Verständnis müsste die Pfändung durch das Gericht aufgehoben werden, oder der Gläubiger erklärt schriftlich den Verzicht auf sein Pfandrecht. Gängige Praxis ist aber, mit der letzten Auskehrung die Pfändung als erledigt zu betrachten. Häufig wird hierzu ein Hinweis „Pfändung erledigt“ im Verwendungszweck der Auskehrung angegeben. Uns sind keine Probleme mit diesem Vorgehen bekannt.

    Risiken mit diesem Verfahren sind denkbar, wenn der Gläubiger meint, es sei noch eine Restforderung offen. Vermeintliche Restforderungen ergeben sich in der Regel dadurch, dass der Gläubiger nachträglich weitere Forderungen in seine Forderungsaufstellung einbucht, typischerweise Vergleichsgebühren bei Aussetzungen. Diese Beträge sind aber nicht von der Pfändung erfasst, wenn sie im Beschluss nicht aufgeführt sind. Nach unseserem Verständnis können lediglich Zustellkosten bei anderen Drittschuldnern nachträglich vom Gläubiger eingefordert werden.

    Zur Berechnung der Forderung: Die Forderung sollte sich aus dem Beschluss schon genau bestimmen lassen. Wenn der Gläubiger im etwa Beschluss keine Zinsen eintragen lässt, hat er meines Erachtens Pech gehabt, dann sind die auch nicht gepfändet.

    Wenn es bereits Schuldnerzahlungen gab, ist denkbar, dass Meinungsverschiedenheiten darüber entstehen, ob die die gepfändete Forderung verringern. Sofern die Schuldnerzahlungen nicht durch den Drittschuldnerselbst und hoffentlich unter Angabe eines Aktenzeichens geleistet wurden, ist es sicherlich besser, sich die Herabsetzung der Forderung durch den Gläubiger bestätigen zu lassen.

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    1. Falko Heinemann

      Hallo Herr Lüttge,
      vielen Dank für Ihre Meinung. Darf ich noch erfahren, in welcher Beziehung Sie zur Pfändungsbearbeitung stehen ( sicher Drittschuldner ) und wie hoch das jährliche Pfändungsaufkommen so ca. bei Ihnen ist?
      Für die meisten Pfändungen und Gläubiger läuft es ja auch in der Regel problemlos. Aber wie das so ist, über diese Fälle redet man auch nicht. Wir haben in 2011 ca. 6.000 Pfändungen erledigt. Interessanter sind die Problemfälle.
      Oftmals warten ja auch schon die nächsten Gläubiger auf das pfändbare Geld und wenn die erste Rangstelle sich mit der Aufhebung ewig Zeit lässt, bremst das den ganzen Arbeitsablauf erheblich aus.
      Würden Sie zum Beispiel eine Nachforderung des Gläubigers über 30,- € zurückweisen oder eigentlich doch bezahlen, um die Sache endgültig zu erledigen?

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  2. Karsten Luettge

    Hallo Herr Heinemann,
    zu meiner Person – ich bin Organisationsberater bei tolina mit den Schwerpunkten Pfändungsprozess und Risikofrüherkennung. Ich habe viele Häuser bei der Einführung unserer Pfändungslösung begleitet und führe auch Seminare zum Thema Pfändungsrechtsreform durch.
    Mein Beitrag weiter oben schildert meine Erfahrung hinsichtlich der gelebten Praxis. Ob man diesen pragmatischen Ansatz übernimmt, muss letztlich jedes Haus selbst entscheiden.
    Für die von Ihnen genannte Nachforderung über 30 Euro würde ich zunächst prüfen, ob sie berechtigt ist. Häufig ist sie das nicht, da Gläubiger bzw. Vertreter alle möglichen Mahn-, Kontoführungs-, Vergleichs- und sonstige Kosten in die Forderung übernehmen. Wenn doch, wäre eine Option, die Pfändung wieder zu aktivieren, bis die Nachforderung ausgekehrt werden kann. Damit dürften sich viele Fälle unkompliziert heilen lassen.
    Um das Risiko im Schadensfall zu begrenzen, könnten Sie zudem die „pragmatische Erledigung“ auf Fälle mit geringem Schadenspotential beschränken, also geringe Forderungen oder relativ kurze Laufzeit. Bei einer Forderung von 100.000 Euro ist es evtl. sinnvoll, sich tatsächlich mit dem Gläubiger über die aktuelle Forderung abzustimmen.

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