Die Krux mit den Gebühren

Das Thema Gebühren für gepfändete Konten wird seit mehreren Jahren emotional diskutiert. Neue Brisanz bringt das eingeführte P-Konto. Verbraucherschützer und Konsumenten auf der einen Seite und Kreditinstitute auf der anderen Seite bringen jeweils nachvollziehbare Argumente vor.

Aber wie sieht das Ganze in der Realität aus?

Zum einen mussten die  Kreditinstitute nachweislich in Personal und Technik investieren, zum anderen ist es schwer zu erklären, warum die finanziell Schwächsten der Gesellschaft auch noch mit übermäßigen Gebühren belastet werden sollen.

Folgendes Beispiel verdeutlicht das Problem:

gepfändeter Kunde: 
Einkommen: Sozialleistungen (Hartz IV) 374 Euro
Gebühren für P-Konto: 15 Euro monatlich

Kreditinstitut: Anzahl der gepfändeten Konten
vor Pfändungsschutzreform: 2.000
nach Pfändungsschutzreform: 4.000
summierte Mehrkosten: 73.000 Euro (jährlich)

Die Mehrkosten ergeben sich neben der gestiegenen Fallzahl auch aus der Komplexität der angeblich vereinfachten Regeln des Pfändungsschutzes (siehe Beitrag „Ziel der Pfändungsreform erreicht?“).

Wie kann dieses Problem Ihrer Meinung nach gelöst werden? Halten Sie erhöhte Gebühren für gerechtfertigt? Sind diese juristisch überhaupt zulässig? Diskutieren Sie mit anderen Pfändungs-Experten. Wie freuen uns auf Ihre Meinung.

 

 

4 Comments

  1. Carola Renner

    Sind denn nicht schon Gerichtsurteile gefällt, die derartige Gebühren verbieten? Sind diese Entscheidungen nur Einzelfälle oder generell zu beachten?

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  2. Thomas Lander

    Doch, es gibt ein Urteil des OLG FFM – AZ 19 U 238/11 – vom 28.03.2012 ohne Möglichkeit der Revision.

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  3. Dirk Schlickhoff

    Es ist aber nur untersagt, einen unverhältnismäßig (schon wieder dehnbar) hohen Preis für die Kontoführung anzusetzen. Eine Gebühr darf dafür eh nicht erhoben werden, ein Kontoführungspreis in normalen Rahmen ist durchaus zulässig.

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  4. Falko Heinemann

    Eine Bank darf in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen keine Zusatzgebühren für die Umwandlung eines kostenlosen Girokontos in ein Pfändungsschutzkonto erheben, urteilte das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht. ( AZ: 2 U 10/11 )
    Das hilft aber auch nicht so recht weiter, denn eine Kontoführungsgebühr ist keine Zusatzgebühr und wer hat schon ein kostenloses Girokonto???

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