Pfändungsreform doch gläubigerfreundlich?

Die Einführung des Pfändungsschutzkontos liegt nun mehr als zwei Jahre zurück und war für die beteiligten Kreditinstitute als Drittschuldner nicht immer einfach. Umso erfreulicher ist es, dass sich vermehrt Kreditinstitute melden, die die vom Gesetzgeber versprochenen Vereinfachungen spüren und bestätigen. Diese bezeichnen den Gesamtaufwand der Pfändungsbearbeitung also geringer als vor der Reform. Überraschend ist auch, dass es teilweise mehr Auskehrungen gibt als vorher. Die Reform deshalb als gläubigerfreundlich zu bezeichnen geht sicher zu weit. Dennoch ist es aus Sicht der Schuldner eine unerwartet positive Entwicklung.

Wie siehts bei Ihnen aus?

2 Comments

  1. Falko Heinemann

    Die spürbare Entspannung bei der Pfändungsbearbeitung ist bei uns vor allem auf die Einführung von Pfändung 2 der Firma tolina zurückzuführen, die fast zeitgleich mit der Einführung des P-Kontos einherging. Auch die systematische Überwachung gepfändeter Konten und damit verbundene Auskehr der pfändbaren Beträge ist wohl eher der technischen Unterstützung zu verdanken. Denn das Gebilde P-Konto halte ich nach wie vor für viel zu kompliziert. Augenscheinlich ist aber die weitere Zunahme von Pfändungen, gerade bei den P-Konto-Inhabern. Da macht es dann keinen Unterschied mehr, ob zwei oder zehn laufende Pfändungen auf dem Konto lasten. So gesehen, tritt eine Verringerung des Gesamtaufwandes vielleicht nur pro Kunde ein, aber die steigende Zahl der Kontopfändungen überhaupt gleicht das locker wieder aus.

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    1. Karsten Luettge

      Hallo Herr Heinemann, ich stimme Ihnen zu, dass die Ausgestaltung des P-Kontos zu kompliziert ist.

      Die Drittschuldner – Banken und Sparkassen – haben ihre Hausaufgaben gemacht und saubere Prozesse etabliert. Erste Gerichtsurteile klären nach und nach die Unklarheiten aus dem Gesetz.

      Was sich durch Technik nicht lösen lässt, ist die schwierige Kommunikation mit den Schuldnern. Da sie die Funktionsweise des P-Kontos oft nicht verstehen, wissen sie oft nicht, über wieviel Geld sie jeweils verfügen können oder wann pfändungsfreie Guthaben auskehrbar werden. Hier liegt selbst bei korrekter Bearbeitung durch den Drittschuldner ein hohes Konfliktpotential. Die Banken und Sparkassen stehen hier zwischen Baum und Borke, da sie einerseits keine Rechtsberatung anbieten, andererseits aber für Transparenz sorgen müssen.

      Das war auch ein Tenor beim jüngsten tolina-Anwendertreffen in Berlin: Die Kommunikation mit dem Schuldner, etwa um Auskehrungen nachzuvollziehen, ist aktuell ein Schwerpunktthema bei der Pfändungsbearbeitung.

      Karsten Lüttge

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